Hirsutismus

Hirsutismus wird abgeleitet von dem lateinischen Begriff hirsutus, was haarig bedeutet. Diese ausschließlich bei Frauen auftretende Erkrankung zeichnet sich durch eine männliche Körperbehaarung aus, die mehr oder weniger ausgeprägt sein kann.
Die Ursachen können Veranlagung, aber auch Erkrankung sein. Meist ist es aber eine vermehrte Bildung von Androgenen (lat. andro = männlich und gen = erzeugend), also männliche Sexualhormone, die eine virilisierende (vermännlichende)Wirkung haben.
Beim Hirsutismus wandelt sich das unscheinbare Vellushaar, also der Flaum, der sich fast überall auf der Haut findet, in Terminalhaar, auch Langhaar genannt, um. Betroffene Körperregionen sind typischer Weise Schambereich und Oberschenkel, Brustbein und Warzenhöfe, seitliche Oberlippe, Koteletten und Unterarme. Man geht davon aus, dass ca. 5 bis 10% der Frauen mehr oder weniger Stark betroffen sind. Je nach Ausprägung kann der Leidensdruck sehr hoch sein.
Hirsutismus hat übrigens nichts mit der Hypertrichose zu tun, deren Betroffene oft herabsetzend als Wolfsmenschen bezeichnet werden.

Ursachen
Neben einer genetischen Veranlagung (familiär-idiopathisch), der oft in südlichen Ländern zu finden ist, kann ein Androgen-produzierender Tumor an Eierstöcken oder Nieren, ein Adenom an der Hypophyse, ein polizystisches Ovarialsyndrom (führt zu einer erhöhten Produktion von Androgenen in den Eierstöcken), oder das Adrenogenitale Syndrom (AGS) sein.
Ein Zuviel an männlichen Sexualhormonen ist also fast immer ursächlich.

Symptome und Diagnose
Neben der schon oben genannten, vermehrten Körperbehaarung sind Übergewicht, Zyklusstörungen und Insulinresistenz häufige Begleiterscheinungen. Rund 80% der Frauen mit Morbus Cushing leiden auch an Hirsutismus.
Ist das Dehydroepiandrosteron (DHEA), eine Vorstufe männlicher UND weiblicher Sexulahormone, sowie das freie Testosteron im Blut erhöht, kann man eine genetische Ursache ausschließen. Diese erhöhten Werte können mögliche Indikatoren für einen Tumor an den Eierstöcken oder Nebennieren sein.

Therapie
Neben kosmetischen Behandlungen kommen häufig Antiandrogene zum Einsatz, die unterschiedlich wirken.
Cyproteronacetat und Chlormadinonacetat: zwei Gestagene mit antiandrogener Wirkung. Sie blockieren die Rezeptoren für Androgene, sodass diese nicht mehr vom Körper aufgenommen werden können.
Flutamid ist ein Antiandrogen, das die Wirkung der Androgene in den Zellkernen blockiert.
Finasterid, das eigentlich zur Behandlung einer Prostatahyperplasie verwendet wird, hemmt die Umwandlung von Testosteron zum wesentlich wirksameren Dihydrotestosteron.
Spironolacton wirkt den Androgenen entgegen.
Drospirenon ist äquivalent zum Spironolacton, hat aber noch eine gestagene (Gestagene sind die zweite wichtige Gruppe der weiblichen Geschlechtshormone) Wirkung.

Wie fast alle hormonhemmende Medikamente haben auch die Antiandrogene viele, teils schwere Nebenwirkungen. Sie wirken teratogen (fruchtschädigend). Daher dürfen sie niemals bei Schwangerschaft eingenommen werden. Des Weiteren kann es, besonders bei Einnahme von Flutamid, zu schweren Leberschäden kommen.
Abgesehen davon, dass es 4 bis 6 Monate dauern kann, bis sich eine Verbesserung des Krankheitsbildes zeigt, ist die Wirksamkeit der Medikamente umstritten.

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