Aufnahmestop und Grippewelle

Nun habe ich das Glück, in Nürnberg zu wohnen. Nürnberg ist eine Region mit einer relativ hohen Dichte an Endokrinologen. Trotzdem muss man auf einen Termin locker 4 Wochen warten. Und immer häufiger hört man das Wort „Aufnahmestop“.

Für Menschen mit seltenen Erkrankungen bedeutet dies, dass man die notwendigen, regelmäßigen Kontrollen lange im Voraus plant. Das bedeutet, dass man sich beim Kontrolltermin gleich den nächsten Termin in drei Monaten holt.

Nun tobt gerade hier in Nürnberg eine massive Grippewelle, sodass Krankenhäuser und Notaufnahmen komplett überlastet sind. Da müssen sich Menschen mit seltenen Erkrankungen natürlich die Frage stellen, was passiert, wenn es zu einem Schub bzw. einer Krise kommt. Deutschland hat eines der besten und teuersten Gesundheitssysteme der Welt. Wirklich? Teuer in jedem Fall, denn in keinem anderen Land werden, da ja Kliniken inzwischen profitorientiert sind, künstliche Hüft- und Kniegelenke etc. eingesetzt. Das bringt profit. Seltene Erkrankungen verursachen eher kosten. Hier gilt die 7-Tage-Regel. Also gucken, dass der Patient nach 7 Tagen das Krankenhaus verlässt, sonst entstehen kosten.

Die Politik interessiert es herzlich wenig, was das für uns bedeutet. Stattdessen gibt es Gedankenspiele, Krankenhäuser zu spezialisieren. Soll heißen, dass z. B. nur noch das Krankenhaus XY, dass sowieso schon viele Hypophysen-Ops durchgeführt hat, diese auch weiterhin durchführen darf. Andere Krankenhäuser dafür nicht mehr. Für Betroffene würde das bedeuten, weit von der Heimat entfernt operiert zu werden. Zum Glück sind diese Pläne noch nicht Realität geworden.

Obwohl niemand aktuell von einer Krise spricht, stellen wir Betroffene uns natürlich die Frage, ob sich die immer weiter zuspitzende Versorgungslage mal wieder entspannt. Nicht nur die Politik ist gefordert, sondern auch ein Umdenken in der Bevölkerung, die eine Notaufnahme immer mehr als „Gesundheit-To-go“ betrachtet. Gesundheit ohne vier Wochen auf einen Termin zu warten.

Für Menschen mit seltenen Erkrankungen bedeutet der aktuelle zustand des Gesundheitssystems aber ein erhöhtes Maß an Eigenverantwortlichkeit. Im Vorfeld schon überlegen, ob Aktivitäten evtl. ein erhöhtes Risiko in sich tragen oder, weil aktuell, wie man eine Infektion mit dem Grippevirus vermeidet. Das hat natürlich eine weitere Reduzierung der Lebensqualität zur Folge.

Wir haben so schon genug mit unseren Krankheiten zu tun. Und so bleibt der Apell an Politik und Gesellschaft, sich vielleicht mal Gedanken zu machen, uns ein wenig von den täglichen Sorgen abzunehmen, damit wir ein wenig unbeschwerter am normalen Leben teilnehmen können.